Berichte von Mitgliedern,die UNS IN Kenia besucht haben

Report von Christina Vietze

Blauer Himmel und Sonnenschein begrüßen mich und dazu eine fast erstickende Hitze. Die ersten Eindrücke von Mombasa und Mtwapa sind schon echt überwältigend. Auf der einen Seite fahren wir an wunderschönen Buchten mit türkisblauem Wasser vorbei, andererseits liegt hier wirklich viel Dreck (Plastikbeutel, Flaschen,…) herum und der Geruch von verbranntem Plastik ist in der Luft. Die Kühe und Ziegen laufen auf Müllbergen und fressen ein paar Fetzen von den Tüten. Auf den Straßen laufen Menschen mit Handwagen, die an den Reifen Metalle befestigt haben, damit diese Klirren, später erfahre ich, dass dies die Wasserverkäufer sind. Am Gate des Kindergartens entdecke ich, dass dieses Grundstück ein wenig anders ist, als der umliegende Rest. Es sieht sehr gepflegt aus und ein paar noch etwas scheue Kinderblicke entdecken mich… Das wird sich aber schnell ändern. Nach ein paar neugierigen Blicken werde ich von allen Seiten begutachtet und die Kleinen wollen gleich mit mir spielen. Herzlich begrüßt werde ich auch von der Köchin, der Lehrerin, dem Wachmann und Snoopy dem Wachhund.

Das kenianische Schulsystem sieht vor, dass die Kinder bereits im Kindergarten Grundfertigkeiten in Lesen, Schreiben und Rechnen erhalten. Außerdem wird der Unterricht bilingual in Kisuaheli und Englisch gegeben. Somit haben die Kinder die besten Voraussetzungen um in der Primary-school dem Unterricht, der überwiegend in Englisch gehalten wird, folgen zu können.

Im Jahr 2008 wurden zwar die Schulgebühren von der Regierung erlassen. Da die Kinder jedoch eine Schuluniform tragen und Schulbücher, Hefte, Stifte,… gekauft werden müssen, sind die Kosten für die Eltern sehr hoch. Dies hat zur Folge, dass viele Kinder die nursery-school nicht besuchen können und dem Leistungsdruck in der Primary-school nicht gewachsen sind.

Karibu Care möchte Halb- und Vollwaisen, die sozial und finanziell benachteiligt sind, eine Perspektive geben und diese von Beginn der schulischen Erziehung bis hin zum Eintritt in die Berufswelt begleiten.

Da die KaribuCare nursery-school im Januar 2011 eröffnet wurde, gibt es derzeit eine Klasse mit 11 Kindern. Für das Jahr 2012 ist geplant, 3 Klassen zu unterrichten. Des Weiteren ist der Bau einer Primary-school vorgesehen.

Die Kinder sind im Alter von 3 und 6 Jahren, das bedeutet, dass diese sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Kenntnisse haben. Aufgrund der kleinen Gruppengröße, kann der Unterricht sehr differenziert gestaltet werden, da kann man als Volunteer auch eine große Hilfe sein und einbringen. Nachdem die Kinder morgens gebracht wurden, werden erstmal die Zähne geputzt, dies läuft mal mehr, mal weniger geordnet ab. Jeder will schließlich der erste am Waschbecken sein. Anschließend folgen Rechenstunden und Englischunterricht. Nach einer Spielpause und Frühstückszeit geht’s noch mal mit Kunst und so ne Art Sachunterricht weiter. Dabei lernen die Kinder z.B. die Familienmitglieder, Küchenutensilien, Musikinstrumente, usw. kennen. Nach dem Mittagessen geht’s dann ins Bett, bis die Kinder wieder abgeholt werden. Natürlich war ich auch sehr an der kenianischen Küche interessiert und habe der Köchin ein paar Tage über die Schulter geschaut aber auch selbst mal gezeigt, was wir in Europa gern essen und für die Kids Pizza gemacht.

Karibu Care möchte den Kindern nicht nur den Zugang zu Bildung ermöglichen, sondern auch gesunde Ernährung bieten und einen bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln aufzeigen. Daher ist eine Selbstversorgerfarm geplant. Auf dem Kindergartengrundstück wird bereits mit der Züchtung von Bananen, Skumawiki (Spinatart), Tomaten, Papayas, … gestartet. Die ersten Erträge konnten bereits in der Küche verarbeitet werden.

Als Volunteer ergeben sich viele Möglichkeiten bei Karibu Care mitzuwirken. Neben der Arbeit mit den Kindern und Mithilfe in der Küche gibt es immer wieder neue Baustellen auf dem Grundstück, wo man sich beteiligen kann. So ist zum Beispiel in den letzten Wochen das Karibu Care- Logo als Mosaik entstanden, oder es wurde eine Medikamentenliste erstellt. Hier kann man wirklich seine Stärken einbringen und manchmal sogar Eigenschaften an sich entdecken, die man bisher noch gar nicht kannte.

Nach der Schulzeit stehen dir die Nachmittage und Wochenenden zur freien Verfügung. Naja manchmal muss man natürlich auch mal Wäschewaschen oder das Zimmer putzen, aber ansonsten kann man tun und lassen was man will. Es gibt eine große Auswahl an Stränden, die man gut Nutzen kann um sich zu erholen und auch mal kurz aus der Welt zu fliehen. Auch ist hier der perfekte Ort um ein bisschen Kisuaheli zu lernen.

Klar wollte ich neben den Erfahrungen im Kindergarten auch Kenia als Land entdecken und das Denken der Leute kennenlernen. Eine Safari ist da natürlich ein Muss, somit hatte ich neben Snoopy dem Wachhund noch fast hautnahen Kontakt zu Elefanten, Löwen, Giraffen und vielen mehr. 

 


Bericht von Miriam Abele

„Wenn ein Fremder sich hier niederlässt, winselt er zweimal, einmal wenn er kommt und einmal wenn er wieder geht.“

Obwohl ich bei meiner Ankunft natürlich nicht geweint habe (vielleicht nur weil ich so müde war), passt dieses Zitat aus den „Sch`tis“ wohl gut zu meinem elfwöchigen Aufenthalt in Mtwapa/Kenia. Am Anfang war alles neu, ungewohnt und nicht selten sehr anstrengend. Das Klima ist von Mai bis Juli zwar erträglich bis teilweise sehr angenehm, aber trotzdem wird man von Land und Leuten zu Beginn regelrecht erschlagen. Abends fällt man todmüde ins Bett - nach tausenden Erlebnissen verbunden mit unzählbaren Eindrücken. Vorher schaffte ich es vielleicht gerade noch einige von ihnen aufzuschreiben, damit ich auch ja nichts vergesse. Denn wirklich alles ist es wert, sich zu erinnern. Heute habe ich zwei Collegeblöcke voller Ereignisse und Geschichten, die mir niemand mehr nehmen kann.

Anschließend kann man nur noch versuchen zu schlafen. Auch das ist nicht einfach. Am Anfang wird man abwechselnd von den unterschiedlichsten Geräuschen wie dem muslimischen Ruf des Muezzin, Krähen oder Echsen auf dem Wellblechdach oder einfach strömendem Regen wachgehalten. Gerade wenn man sich daran gewöhnt hat, wird einem dann klar, wie kurz man dieses wunderschöne Land und seine Leute erleben kann und man verzichtet freiwillig auf den Schlaf (und auf das Schreiben).

So fühlt man sich fast nirgends auf anhieb richtig wohl. Man kann sagen nirgends außer bei der Arbeit im Kindergarten von KaribuCare. Hier herrscht eigentlich praktisch von Anfang an eine familiäre Atmosphäre. Alle Mitarbeiter sind sofort freundlich und du wirst gut aufgenommen und unterstützt. Eigentlich fallen bereits am Flughafen beim ersten Treffen mit George alle Bedenken, was die Arbeit angeht, von einem ab. Gerade die erste Zeit hat vor allem die Bekanntschaft zu ihm mir sehr geholfen, mich einzuleben und schließlich ein eigenes kleines Leben in Kenia aufzubauen.

Die Wochentage beginnen früh. Etwa um sechs klingelt der Wecker. Dann ist es bereits dämmrig, aber noch nicht richtig hell in Mtwapa. Mit Waschzeug und Handtuch verlässt man das Zimmer. Die Zimmertür führt direkt ins Freie und auf dem Weg zum „Badezimmer“ überquert man den Hof der Schule. Unteranderem deswegen hat mich meine Unterkunft und ihre unmittelbare Umgebung sehr an Campingurlaub erinnert.

Noch im Schlafanzug gibt es dann den ersten Smalltalk mit dem Wachpersonal. Es folgt eine kalte Dusche und weitere Vorbereitung, bis kurz vor 7 meist Janet die Köchin als erste in der Schule ankommt. Zwischen sieben und (im besten Falle) halb acht erreichen dann auch „teacher“ Mercy und die 11 Kinder zwischen 3 und 7 Jahren, die im Moment von KaribuCare unterrichtet werden den Kindergarten. Die Kleinen kommen sofort auf dich zu und freuen sich sehr über jede Art von Aufmerksamkeit, die du ihnen zuteilwerden lässt. Offiziell beginnt der Schultag um halb acht mit einem etwa halbstündigen Morgenapell, bei dem die Kinder auswendiggelernte englische Gedichte und Lieder singen und auch schon einige englische Phrasen wie „wie geht’s dir?“ oder „wie heißt du?“ etc. beherrschen müssen. Anschließend werden die zähne geputzt und der eigentliche Unterricht kann beginnen. Während den ersten Stunden heißt das Rechnen, Schreiben, Lesen und selbstverständlich viel Englisch. Das ist die Zeit, in der du beim putzen oder kochen helfen oder aber deinem evtl. von Eva zugewiesenen Projekt nachgehen kannst.  Das Frühstück fällt in eine einstündige Pause, die die Kinder neben der Mahlzeit zum spielen, schaukeln oder rutschen nutzen können. Dann fordern sie lautstark („teacher!!“), dass jemand ihnen einen Ball zuwirft, Streits schlichtet, sie auf der Schaukel abschuppst oder auch einfach mal in den Arm nimmt. Ab 11 gibt es noch eine Art Sachkundeunterricht und schließlich eine frei gestaltbare Bastel- oder Spiel- und Sportstunde. Hier sind kreative europäische Ideen zur Umsetzung sehr gefragt. Um halb eins gibt es dann ein frisch gekochtes sehr leckeres afrikanisches Mittagessen und danach halten die Kinder ihren Mittagsschlaf, bis sie um drei (wiederrum im günstigsten Falle) von ihren Aufsichtspersonen abgeholt werden.

Häufig habe ich nach dem Abwasch und ein paar Lerneinheiten Kiswahili die Schule bereits kurz vor drei verlassen, um meine Kiswahillistunden wahrzunehmen. Ich wurde von einem Computerfachmann gelehrt, der zwar als Lehrer, aber sicher nicht als Sprachlehrer, sein Geld verdient. Natürlich lernt man in fast drei Monaten trotzdem vieles. Wirklich Anwendung findet das aber leider kaum. Auf Kiswahili wird man nur von wenigen Kenianern angesprochen, entweder nur weil sie gerne Weiße necken und dann sowieso keine Antwort erwarten oder aber von den wenigen alten Leuten, die kein oder fast kein Englisch sprechen – ein Zeichen sehr schlechter oder überhauptkeiner Bildung und damit meistens großer Armut.      

Sehr interessant waren auch die Hausbesuche gemeinsam mit George bei den bitterarmen Familien der Kinder. Sie waren mit vielen schockierenden Details aus deren Lebenssituationen und Vorgeschichten verbunden, aber auch mit überwältigender Herzlichkeit sowie Dankbarkeit und Hoffnung seitens der Gastgeber.

Mit all dem wäre mein Aufenthalt dann eigentlich auch schon interessant und ereignisreich genug gewesen. Zusätzlich hilft dieses „Eingebundensein“ und vor allem die Tatsache, dass man von Anfang an einige „Bekanntschaften“ hat, auch sich  in der Freizeit schnell zurecht zu finden. Wenn man erstmal gelernt hat, wie das Leben in Afrika funktioniert, kann man schnell viele Vorzüge feststellen und genießen, die es einem dann, wie schon angedeutet, auch sehr schwer machen, Mtwapa wieder zu verlassen.  Ich habe Freunde gefunden, die wahnsinnig schöne und interessante Kultur und Natur genossen und Kinder lachen sehen, die Zuhause keinen Grund zur Freude haben. Das ist der Lohn für die Zeit und die Kraft, die man in Kenia und vor allem vorher in die Reise investiert hat – und er ist es absolut wert.